05. July 2015 – IA /The Second Skin/Workshop

    05. July 2015 – IA /The Second Skin/Workshop

     

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    IA nennen die Rumänen ihre traditionelle Bluse. IA, oder INIA, wobei IN das Wort “Leinen” bezeichnet (“linon” auf Altgriechisch, “linum” auf Lateinisch). Die IA wurde aus Leinen hergestellt, optimal geschnitten (ohne Verlust), geschmückt mit feinen und aufwändigen Stickereien.

    Für Eingeweihte ist die IA wie ein offenes Buch, das Frauen mit Nadel und Faden „geschrieben“ haben, um an ihre Töchter, an zukünftige Generationen, wichtige Informationen, Schlüssel zu einem glücklichen Leben, verpackt in Symbolen weiterzugeben. Sie verwendeten eine visuelle Sprache, universelles Kommunikationsmittel im gesamten „Alten Europa“, in Nordafrika, Anatolien bis zum Kaukasus. Heutzutage sind die Bilder für die moisten von uns einfach Schmückungen. Aber vor nicht allzu langer Zeit waren dies klare Ideen. Diese Symbole waren in der Tat die Logos und Emoticons alter Zeiten. Und was brachten diese Frauen zum Ausdruck? Wovon handelten ihre Geschichten?

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    BARCODES pe catrinte

    coloana vertebrala camasi de BANAT

    cuparencu - VRANCEA 2

     

     

     

     

    Sie verwendeten Symbole, um über sich selbst zu sprechen, ihre Vorstellung vom Leben, die Art und Weise, wie sie die Welt und ihren Platz darin verstanden, über den Sinn des Lebens und ein Rezept zu dessen Erfüllung. Und wenn man einmal diese visuelle Sprache kennengelernt hat, wird man von ihr angezogen und, durch Empathie, wird die Seele in die Lage versetzt, eine rumänische Bluse zu lesen, wird in Schwingung gebracht von Textilien einfacher Berber bis hin zu komplexen kaukasischen Teppichen, kilims vom Balkan, Tüchern aus Osteuropa. Man stellt wieder Kontakt her mit fast vergessenen Werten der Menschheit, man schärft das Bewusstsein, man kann sogar seine/ihre Lebensperspektive verändern. Die Geschichte der Zeichen beginnt mit der Wiege der Menschheit und ihrer Reise aus Afrika. Aber unsere Geschichte beginnt überraschenderweise in Wien, dank eines Albums, das im Jahre 1911 hier gedruckt wurde. Zu jener Zeit war die Bukowina Teil der Donaumonarchie. Mit dem Wunsch, die hiesige Kunst des Stickens zu erforschen mit seiner spezifischen Eleganz und Präzision in der Ausführung, begab sich der österreichische Ingenieur Erich Kolbenheyer in die Bukowina, wo er mehrere Jahre verbrachte und eindrucksvolle Studien mit Zeichnungen und Erklärungen durchführte. Ein Jahrhundert später, im Jahr 2012, inspirierten seine Studien zum Beginn der Errichtung des größten Archivs von ganz Rumänien traditionell rumänischer Blusenmuster. Und dies entfachte großes Interesse und führte zu einem Wiederaufleben alter Traditionen. Moden und Trends trotzend, verstanden die rumänischen Frauen, dass die von ihren Großmüttern gefertigten Blusen viel wertvoller sind als jede Bluse die sie kaufen können. Es sind keine „Markenprodukte“, aber sie haben Seele und eine Geschichte zu erzählen. Sehr persönlich und real. Wie ihre DNS. Menschen haben nie aufgehört, mittels Bildern zu kommunizieren. Nur, dass sie während der industriellen Revolution aufhörten, Erzeuger zu sein und zu Konsumenten wurden. Texte werden jetzt auf T-Shirts gedruckt, geschrieben in Englisch, einer weiteren Universalsprache unserer Tage. Viele Menschen wurden zu Sklaven der Mode, während andere, weniger Glück habend, zu von der gierigen Modeindustrie ausgebeuteten Sklaven wurden. Vielleicht ist das der Grund, warum wir die Botschaften aus der Vergangenheit als aktueller denn je betrachten, weil sie uns helfen können, etwas Ruhe und Balance in die verwirrte Welt zu bringen. Beispiele gefällig? REGENERATION: Menschen vergangener Tage wussten, dass nur die nicht endenden Energiequellen verehrenswert sind: Sonne, Wellen, Wind, Wald, Erde. Es gibt kein Symbol für Erdöl, kein Symbol für Erdgas oder Gold. Denn dies sind begrenzte Ressourcen, sie erwecken die Gier im Menschen und führen zu Konflikten. LIEBE: Der Begriff eines glücklichen Paars wurde durch Symbole von offensichtlich perfekter Balance zum Ausdruck gebracht. Frauen suchten nicht so sehr Romantik, so instabil und herzensbrecherisch sie ist. Sie wurden erzogen, Beziehungen einzugehen, welche auf gegenseitiger Fürsorge und gegenseitigem Respekt fußten, Harmonie zu erstreben ebenso wie Verständnis und Team-Work. Keine Tränen! DIE REISE: Das Leben ist eine Reise, welche von Frauen üblicherweise als Welle dargestellt wurde, wie ein Biorhythmus, bereichert um Blumen und Sterne. Höhen und Tiefen, gute und schlechte Tage, wir müssen lernen, jeden Schritt dieses „verlorenen Pfads“ (der Name dieses Motivs) zu genießen. Verloren – weil wir den Rückweg nicht finden können, weil wir nicht in der Zeit zurückreisen können. Wir haben ein Leben, einen Pfad, eine Mission, eine Geschichte. Mögen Blumen hinter Dir erblühen ebenso wie auf allen Wegen vor Dir. Wie man wunderschön leben kann, in aller Fülle.

    cuparencu - VRANCEA 2

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    Nun, wie stellen wir dies an?

    Zuerst werden wir einige unserer Blusen „übersetzen“, damit ihre Geschichten für die Menschen entschlüsselt sind. Dann werden wir die Menschen ermuntern, solche Geschichten zu lesen, welche alte und moderne Codes und Muster beinhalten. Dann werden wir die Menschen ermuntern, zu meditieren über das, was sie für wichtig halten und zukünftigen Generationen weitergeben möchten – und, ihre eigene visuelle Geschichte zu erschaffen. Dann werden wir die Menschen ermuntern, ihre eigene Bluse mit Geschichte zu erschaffen. Darüber zu meditieren, wie sich die Menschen mehr mit ihrer Kleidung auseinandersetzen können, eher eine Bluse mit Bedeutung zu tragen als ein Dutzend von Stücken, die am Ende der Jahreszeit aus der Mode geraten sind. Dann werden wir die Menschen ermuntern, die Erfahrung zu pflegen und weiterzugeben, und daran zu glauben, dass ihre Handlungen die Welt verändern können, wenigstens ein klein wenig.

    Bilder – gedruckt auf Bretter oder Banner, werden Zäune schmücken, öffentliche Räume, eine betörende Mischung von Altem mit Modernem. Unser Aufruf zum Handeln und unsere Slogans werden Leute dazu einladen, das Spiel zu spielen (Schatz-Suche), und Teil dieser Geschichte zu werden. Sie werden eingeladen sein, endlich die wahren Objekte zu sehen, sie zu berühren, sich an ihren Texturen zu erfreuen, sie zu tragen und Fotos zu machen, um den Moment einzufangen, und sie werden in der Lage sein, all die Einzelteile des Puzzles im Laufe der Ausstellung in der Galerie zusammenzusetzen. Sie werden auch eingeladen sein, an Workshops teilzunehmen, um zu erlernen, wie solche Blusen mit traditionellen Methoden hergestellt werden, und die Freude zu erfahren oder wieder zu entdecken, welche das Erzeugen von Kunst mit eigenen Händen bereitet. Sie werden Sets kaufen können, die alles beinhalten, um ihre eigenen Blusen zu kreieren (der richtige Stoff, den Zwirn und die Nadeln und – selbstverständlich – die Anleitungen). Die Modelle, mit welchen wir arbeiten werden, werden Ing. Erich Kolbenheyers Album entnommen, um seine Forschung zu ehren. Die Ausstellung wird über den Sommer geöffnet sein.

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    www ROMB

    www SPIRALA

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